Antworten
Hobby-Autor
User Avatar
Beiträge: 2
Registriert: ‎23.12.2018

Mikroplastik und Palmöl in Kosmetika

Oft stehe ich lange vor einem Regal mit Kosmetika und versuche Produkte ohne Mikroplastik und ohne Palmöl zu finden - ein schwieriges Unterfangen. Wäre es nicht möglich, solche Produkte direkt am Gestell zu kennzeichnen, wie es oft auch mit Deos ohne Aluminium der Fall ist? Das würde den Konsumenten die Wahl erleichtern und eventuell die Hersteller etwas unter Druck setzen, ökologischer zu Produzieren. Ich denke, viele Leute sind sich gar nicht bewusst, wie umweltschädlich ihr Duschmittel oder ihre Hautcrème sind.

Community Manager
User Avatar
Beiträge: 17.127
Registriert: ‎07.12.2009

Re: Mikroplastik und Palmöl in Kosmetika

Hallo @Foxtrott77

Danke für deinen Beitrag.

Die Migros nimmt das Thema der Verunreinigung der Gewässer durch Mikroplastik sehr ernst. Entsprechend haben wir bereits gehandelt. Die Migros hat in ihren M-Vorgaben für die Lieferanten von Kosmetika das entsprechende Verbot für Peelingpartikel aus Kunststoff aufgenommen (publiziert in der Version 5 der M-Vorgaben für die Lieferanten vom 17.9.2014). Dies betrifft die Produkte unserer Eigenmarken.

Unsere Eigenindustrie, die Mibelle AG, hat schon vor mehreren Jahren Mikroplastik (Peelingpartikel aus Kunststoff) in sämtlichen Kosmetika und Zahnpasten durch alternative Partikel natürlicher Herkunft ersetzt. Es kommen keine Peelingpartikel aus Kunststoff mehr zum Einsatz.

Die Bezeichnung „flüssige Kunststoffe” für diese löslichen Polymere ist irreführend. Kunststoffe sind im allgemeinen Sprachgebrauch feste oder plastisch verformbare Werkstoffe. Die löslichen Polymere liegen aber in molekular gelöster oder emulgierter Form vor. Diese Polymere sind umgangssprachlich flüssig, das heisst, sie bilden keine Partikel.

Die thematische Verknüpfung der löslichen Polymere oder dem „Flüssigplastik“ mit der Mikroplastik-Thematik vermischt zwei Themen, die nichts miteinander zu tun haben. Die Auswirkungen von Mikroplastik in der Umwelt sind bei löslichen Polymeren nicht vorhanden. Aber auch bei löslichen Polymeren muss der Verbleib dieser Verbindungen in den Kläranlagen und der Umwelt betrachtet werden.

Die in der Kosmetik hauptsächlich verwendeten Acrylat-Polymere und andere löslichen Polymere sind biologisch abbaubar, sodass sie in Kläranlagen vollständig aus dem Abwasser eliminiert werden. Im Gegensatz zu den Mikroplastik-Partikeln reichern sie sich nicht in der Umwelt an. Des Weiteren sind sie zu Wasserorganismen völlig ungiftig.

Solltest du auf synthetische Inhaltsstoffe, wie die löslichen Polymere verzichten wollen, bietet die Migros unter dem Label I am Natural Cosmetics zertifizierte Naturkosmetika an, welche auf Basis von pflanzlichen Inhaltsstoffen hergestellt werden.

Zum Palmöl:

Palmöl und Palmkernöl ist für die Produktion von Non-Food-Produkten wie Shampoos und Seifen ein wichtiger Rohstoff. Um angenehme, wirksame und hautfreundliche Kosmetika herstellen zu können, verwendet man Tenside und Emulgatoren, die aus Palmöl gewonnen werden.
 

Die Kehrseite ist, dass die grosse Nachfrage und fehlende Richtlinien dazu geführt haben, dass an vielen Orten Palmölplantagen ohne Rücksicht auf die Umwelt und die einheimische Bevölkerung angelegt wurden. Oft werden dabei Regenwälder und damit Lebensräume von Tieren und Pflanzen zerstört. Dies hat nicht zuletzt auch negative Auswirkungen auf das Klima.


Die Migros ist sich der Probleme bewusst, die durch die Produktion von Palmöl entstehen. Aus diesem Grund hat die Migros bereits 1999 zusammen mit dem WWF die ersten Kriterien für eine nachhaltige Palmölproduktion erstellt. Für diese Pionierleistung wurde die Migros am UNO-Umweltgipfel in Johannesburg 2002 ausgezeichnet. Im Jahr 2004 hat die Migros zusammen mit dem WWF und anderen Unternehmen den «Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl» (Round Table on Sustainable Palm Oil – RSPO) gegründet.

Nachhaltiger Anbau bedeutet, dass für die Plantagen ab 2005 kein Tropenwald mehr brandgerodet worden ist, dass die Gesetze eingehalten werden und faire und sichere Arbeitsbedingungen vorherrschen. Auch Forderungen nach Erhalt der Artenvielfalt, minimalem Einsatz von Chemikalien oder nach Landrecht müssen erfüllt sein.

Weitere Informationen zum RSPO finden Sie unter www.rspo.org. (Englisch)

Produkte, die mit dem RSPO-Logo „certified“ ausgezeichnet sind, müssen folgende Grundvoraussetzungen erfüllen: Der Palmöl-Verarbeiter muss RSPO-Mitglied sein und das entsprechende Produkt muss mindestens 95 % Palmöl aus RSPO-zertifizierten Plantagen enthalten. Dieses muss über eine zertifizierte Lieferkette beschafft worden sein, so dass das Palmöl physisch rückverfolgbar ist.

Zurzeit haben wir nicht geplant, die Inhaltsstoffe am Regal anzubringen. Deinen Hinweis dazu haben wir jedoch aufgenommen.

Ich wünsche dir noch einen schönen Tag.

Liebe Grüsse

Angela

Highlighted
Hobby-Autor
User Avatar
Beiträge: 2
Registriert: ‎23.12.2018

Re: Mikroplastik und Palmöl in Kosmetika

Vielen Dank für die ausführliche und interessante Antwort. Ich werde in dem Fall gerne die "I am Natural Cosmetics" Linie einmal genauer anschauen.